Das kleine Eimaleins für junge Hühner

Vor zwei Wochen sind sie eingezogen, die jungen Hühner. Da waren sie noch eine ziemlich scheue Bande – verständlich, denn bis zu diesem Zeitpunkt waren sie bei Jens Bodden am Niederrhein aufgewachsen, und so eine Autofahrt von dort zu uns ins Bergische ist natürlich eine verwirrende Angelegenheit.

Mittlerweile sind sie kaum wiederzuerkennen: Jeden Tag legen sie nun an Selbstbewusstsein, Entspanntheit und Neugier zu. Die ganz großen Entdeckungstouren auf die Weide unternehmen sie bei dem nasskalten Wetter noch nicht, da bleiben sie doch lieber dicht aneinandergedrängt im warmen Stall oder wagen sich allenfalls in den Wintergarten.

Die Tiere sind nun ca. 20 Wochen alt, und in dieser Phase ihres Lebens tut sich so einiges in ihrem Körper, wofür sie viel Energie benötigen; sie kommen jetzt sozusagen in die Pubertät! Sie legen noch einiges an Gewicht zu, und ihre Eierstöcke bilden sich aus, sodass sie in ungefähr vierzehn Tagen mit dem Eierlegen beginnen können. Um diesen Prozess zu unterstützen, geht das Licht im Stall nun jede Woche etwas früher an. Den Tieren wird auf diese Weise suggeriert, der Frühling sei im Anmarsch und mit ihm die Zeit, fleißig Eier zu legen.

Bis es aber so weit ist, dass sie das berühmte Ei am Tag legen, dauert es noch etliche Wochen. Und das eine oder andere müssen sie noch beigebracht bekommen. Das ist die Aufgabe von Hühnerflüsterer Andreas – stets assistiert von Hund Anton.

Da ist zum Beispiel die Sache mit den Familiennestern. Am Anfang haben die Tiere natürlich keine Ahnung, dass sie die Eier dort hinein legen sollen, von wo sie sachte auf ein kleines Förderband rollen, das sie in die Stallgasse befördert – woher auch? Nein, sie legen ihre kleinen Anfängereier überall im Stall (die sammeln wir dann auf der täglichen Runde auf). Deshalb setzt Andreas sie nun in geduldiger Handarbeit immer wieder zur richtigen Tageszeit in die vom restlichen Stall abgetrennten und abgedunkelten Gemeinschaftsnester. Nach einiger Zeit lernen die Hennen diese Rückzugsorte richtig zu schätzen und suchen sie von selbst auf, wenn ihnen danach ist.

Ausserdem legen sie untereinander eine gewisse Rangordnung fest, sie lernen voneinander, kommunizieren mit einer Vielzahl akustischer und optischer Signale und merken sich, dass von Antons stürmischen Annäherungsversuchen keine Gefahr ausgeht.

Lustigerweise ist in der jungen Herde ein einzelnes weißes Huhn dabei; eine tolle Gelegenheit, die Aktivitäten eines individuellen Tieres übers Jahr im Auge zu behalten!

Hier gibt es noch einen kleinen Eindruck von einem morgendlichen Rundgang: