„Die Hühner sind ja gar nicht draußen!“

Das hören wir ab und zu von Kunden, die ihre Eier hier auf dem Hof kaufen kommen. Sie hätten mal um die Ecke zum Stall geschaut und kein einziges Huhn auf der Wiese entdeckt.

In diesem Fall sind sie selbst meistens mit hochgeschlagenem Kragen vom Auto zur Hoftür durchs typisch bergische Winterwetter gespurtet. Und das heißt in Nümbrecht: 5°C, tiefhängende Wolken und ein feiner Nieselregen, bei dem man keinen Hund vor die Tür jagen würde. Und kein Huhn.

Wohlgemerkt, unsere Hühner dürfen raus, wann immer sie möchten. Aber wie wir immer wieder feststellen, sind Hühner auch nur Menschen. Und wenn der beißende Wind um die Ecken pfeift, ziehen wir es doch alle vor, warm und gemütlich im Trockenen zu sitzen, oder? Na bitte!

Unser Kaltscharrraum oder auch Wintergarten macht nun seinem Namen alle Ehre, denn hier tummeln sich die Hennen bei diesem Wetter gerne in der Einstreu aus Stroh und nehmen das eine oder andere Staubbad.

Zu all dem muss man wissen, dass das Huhn an sich genetisch eher auf gemäßigtere Temperaturen eingestellt ist. Kein Wunder, stammt doch die Urform unserer Hühnerrassen, das Bankiva-Huhn, aus Asien. Die Reise der ersten Hühner über die Seidenstraße nach Europa ist erst ein paar tausend Jahre her – nicht genug Zeit für die Evolution, deren Vorliebe für tropisch-warme Temperaturen vergessen zu machen.

Und so baden unsere gefiederten Mitarbeiterinnen weiterhin lieber im Staub als in Regenpfützen, und wir lassen ihnen ihren Willen. Wenn die ersten Kraniche über das Bröltal ziehen, wird die Weide wieder interessanter für die Hennen. Dann gibt es dort mehr zu picken und zu stöbern, und man bekommt keine nassen Füße.

Aber bis dahin müssen wir noch etwas durchhalten, Mensch wie Huhn.