Natur auf dem Bauernhof im Oktober

Ziemlich warm und golden, dieser Oktober, und ziemlich trocken – zumindest die erste Hälfte! Rings um den Hof merkt man deutlich, dass sich wachstumsmäßig nicht mehr viel tut. Weil es weiterhin zu trocken ist und weil es auf den Winter zugeht, so wenig man letzteres dem Wetter auch ansieht.

Aktivität herrscht bei Meisen, Rotkehlchen und Eichhörnchen, die hin und her flitzen – zu flink, um sie vor die Linse zu kriegen. Tierfotografen müssen in der Regel nicht zwischendurch Hühner versorgen, Touren planen, packen und telefonieren. Hätten wir die Zeit, uns stundenlang draußen auf die Lauer zu legen, würden wir an dieser Stelle nun Bilder vom Eisvogel am Teich präsentieren. Oder vom Fischadler, der auf seinem Zug nach Süden auf der Hühnerweide Pause macht; unsere Mädels betrachtet dieser glücklicherweise nicht als Snack, wie der Name schon ahnen lässt.

Umso erstaunlicher ist es daher, dass auf der Wiese direkt neben der Küche plötzlich eifriges Wuseln wahrzunehmen ist: Eine Spitzmaus! Und zwar eine, die völlig vertieft ist in ihre Nahrungssuche und zudem von Natur aus nicht gut sieht. Minutenlang hocke ich mit dem Smartphone auf Armeslänge neben ihr; unbeeindruckt und voller Elan buddelt das kleine Fellkneuel weiter. Bis Anton sich für sie zu interessieren beginnt. Angesichts der aufdringlichen feuchten Hundenase hüpft sie doch lieber weiter.

 

Der Name ist irreführend, denn der kleine Kerl gehört überhaupt nicht zur Familie der Mäuse, sondern zu den Insektenfressern; damit ist er am ehesten noch mit den Maulwürfen verwandt. Katzenbesitzer werden es wissen: Die Mäusefänger lassen Spitzmäuse links liegen. Entweder probieren sie sich erst gar nicht an ihnen, oder wenn doch, dann fressen sie sie nicht. Ihre Sinne sagen ihnen, dass man von diesen Tierchen besser die Pfoten lässt, und damit haben sie recht. Spitzmäuse sind tatsächlich giftig! Für Menschen ist ein Biss natürlich nicht tödlich, aber zumindest recht schmerzhaft. Der Zahnwechsel findet bei Spitzmäusen übrigens noch vor der Geburt statt, sodass sie mit einem bleibenden Satz Insektenfresserzähnchen zur Welt kommen.

Einen richtigen Winterschlaf halten Spitzmäuse nicht, sie sind rund ums Jahr auf Achse. Und das mit einer aussergewöhnlich hohen Stoffwechselrate: Ihr Herz schlägt zwischen 800 bis 1.000 mal in der Minute! Wenn sie sich erschrecken, kann diese Taktung sogar bis auf 1.200 Schläge hochschnellen – was durchaus zum Tod führen kann. Zum Glück hat sie mich nicht als Bedrohung wahrgenommen! Obwohl die kleinen Nager zu den Insektenfressern zählen, nehmen sie auch gerne mal kleine Wirbeltiere, die größer sind als sie selbst; hierbei hilft wieder der giftige Speichel.

Ich wünsche dem kleinen Hektiker noch viel Erfolg bei der Nahrungssuche und verschwinde schnell an den warmen Ofen, den man jetzt auf einmal wieder sehr zu schätzen weiß!