Natur auf dem Bio-Hof im Juli

Hochsommer in Schöntal! Der Bauer hat gerade die Hühnerweide gemäht, und seine Tiere werden sich über aromatisches Heu hermachen dürfen. Zum Glück haben wir vorher gesichtet, was da alles Leckeres drinsteckt.

Viele kennen ihn nur in Form von dicken bunten Dragees aus der Apothekealso, Leute, so sieht er in echt aus, der Baldrian (1)! Die ätherischen Öle, die ihn so begehrt machen, stecken in der Wurzel und brauchen mehrere Tage bis Wochen, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Dann aber machen sie die Pflanze zum Einschlaf- und Entspannungsmittel Nr. 1 und zu einem Top-Beispiel für allseits akzeptierte Naturmedizin.

Der Blutweiderich (2) unmittelbar am Teich neben dem Stall ist ein echter Magnet für Bienen und Schmetterlinge, denn er gibt besonders guten Nektar. Blutweiderich enthält reichlich ätherische Öle und Harze, aber auch Gerbstoffe, weshalb man ihn in früheren Zeiten zum Gerben von Leder benutzte, aber auch zum Imprägnieren von Seilen und Holz. Seine Gerbstoffe waren es auch, die ihn als Heilpflanze attraktiv machten: Sie helfen nämlich, Blutungen zu stillen und wirken antibakteriell. Möglicherweise leitet sich von dieser Eigenschaft auch der Name Blutweiderich ab.

Das Echte Mädesüß (3), das uns im April schon am Teich begegnet war, hat sich inzwischen auch im Blühstreifen entlang des Hofes breitgemacht. Der Name kommt entweder vom Met, der früher mit der Pflanze gesüßt wurde, oder vom honigartigen Geruch, den sie während des Mähens verströmt. Neben ihren Qualitäten als Essenszutat war das Mädesüß schon seit dem Mittelalter als Heilmittel bekannt: Zum einen soll es harn- und schweißtreibend wirken, zum anderen wurde lange aus seinen Blütenknospen Salicylaldehyd gewonnen – kurz gesagt: Aspirin. Schon bei den Kelten und deren Druiden spielte das Mädesüß eine wichtige Rolle, wahrscheinlich wegen der beschriebenen Eigenschaften. Salopp gesagt: Am Abend war das Mädesüß gut für den Met, am nächsten Morgen gegen dazugehörigen Schädel …

Die Wiesenmargerite (4) ist in ganz Europa heimisch und beliebt. Aber Vorsicht beim Pflücken für die Blumenvase: Das übergroße Gänseblümchen kann Kontaktallergien auslösen, die sich in Form von später auftretenden Exzemen äußern. Ansonsten ist sie aber ungiftig für Mensch und Tier, im Gegenteil; sie sieht der Kamille nicht nur ähnlich, sie hat auch ihre Heilwirkung – zumindest in abgeschwächter Form und eigent sich als essbare Deko auf dem Teller. Früher wurde sie gerne zum Weissagen der zu erwartenden Kinder oder des zukünftigen Ehemannes genutzt ;-). Wer sie einfach nur so im Garten haben möchte, weil sie hübsch und sommerlich aussieht, der sollte auf lockeren, mageren Boden und einen sonnigen Standort achten. Ach ja, und Staunässe mag die Wiesenmargerite überhaupt nicht!

Der Rohrkolben (5) – wieder so ein überraschender Alleskönner aus der Natur! Sein Samenstand, die sogenannte Rohrkolbenwatte, eignet sich hervorragend, um den Funken eines Feuersteins in Feuer zu verwandeln. Darüberhinaus sind alle Pflanzenteile essbar. Besonders die stärkehaltigen Wurzeln wurden schon in der Steinzeit gekocht oder zu Mehl verarbeitet – ein früher Vorläufer der Kartoffel. „Phythosanierung“ heißt es in der Fachsprache, wenn Pflanzen zur Reinigung von Böden und Gewässern eingesetzt werden, und in dieser Hinsicht spielen die auffälligen Pflanzen eine wichtige Rolle. Sie haben eine reinigende, entgiftende Wirkung auf die Gewässer, in denen sie stehen, weswegen sie immer häufiger in Kläranlagen anzutreffen sind. Als Dämm- und Heizmaterial werden die Bestandteile des Kolbens ebenso zunehmend populärer wie auch als schimmelresistentes Baumaterial. Ein vielfältig einsetzbarer nachwachsender Rohstoff!

Der Impressionist Claude Monet entwickelte in den letzten dreißig Jahren seines Lebens eine besondere Vorliebe für seinen Garten, den er in dieser Zeit auch immer häufiger als Motiv seiner Gemälde wählte. Hier hatte es ihm vor allem die weiße Seerose (6) in seinem Teich angetan, für deren Pflege er eigens einen Gärtner beschäftigte. Und er tat gut daran, denn die hübschen Blüten müssen in genau der richtigen Tiefe wurzeln, damit sie sich voll entfalten. Schön, dass sie sich in unserem Teich offensichtlich wohlfühlen.

Die Seerose hat dieser Tage ja einen echten Standortvorteil, mit den Füßen im Wasser. Hoffentlich bekommt der Rest der Pflänzchen auch bald mal wieder ein paar Tropfen Wasser ab … Haltet durch, ihr alle, und genießt es (wenn möglich) – der Bergische Winter steht früh genug wieder vor der Tür!