Ein Sommer-Ei zu Weihnachten

Es ist noch gar nicht so lange her, da war es nicht selbstverständlich, jedes Nahrungsmittel zu jeder Jahreszeit kaufen zu können. Dazu gehörten nicht nur Erdbeeren und Spargel, sondern auch die Eier. Denn in der Biologie des Huhns ist es eigentlich nicht vorgesehen, in der dunklen Jahreszeit Eier zu legen.

Das Eierlegeverhalten wird vor allem durch das Tageslicht gesteuert. In der dunklen Jahreshälfte legt ein Huhn von Natur aus weniger bis keine Eier mehr, weil ihm sein Instinkt sagt: „Moment mal, wenn ich jetzt Eier lege, dann kann ich die Küken in der kalten, dunklen Jahreszeit nicht mehr großziehen …“

Dementsprechend war es in den Nachkriegsjahren üblich, im Sommer, wenn die Hühner am produktivsten sind, Eier zu sammeln und diese haltbar zu machen, um im Advent die Weihnachtsbäckerei damit bestreiten zu können.

Andreas Klose kennt da noch so einige Methoden, die die Oma früher anwendete:

Im August bzw. Spätsommer wurden die Eier gesammelt und mit verschiedenen Techniken haltbar gemacht. Wichtig war es, die Verdunstung so gering wie möglich zu halten.

So wurden die Eier entweder einzeln eng in Seidenpapier eingewickelt und in mit Stroh gefüllte Kisten gelegt oder auch in „Wasserglas“ (erstarrte, glasartige, also amorphe, wasserlösliche Natrium-, Kalium- und Lithiumsilicate oder ihre wässrigen Lösungen, Quelle: Wikipedia) oder Kalkmilch eingelegt. Letzteres gab den Eiern zwar einen leicht erdigen Beigeschmack, aber zum Backen reichte es. Man konnte die Eier aber auch einfach tief in einen Sack Weizen stecken!
So oder so, Sinn all dieser Methoden war es, die Poren der Eierschale möglichst luftdicht zu verschließen und somit den „Alterungsprozess“ des Eies zu verlangsamen. Bei kühler Lagerung im Keller konnte man auf diese Weise schon mal fünf bis sechs Monate rausholen und war für den Winter gut gerüstet.

Heutzutage ist es durch Züchtung und Lichtregelung in den Ställen möglich, rund ums Jahr Eier zu produzieren – es herrscht sozusagen „ewiger Frühling“ im Stall. Ein Grund, einmal darüber nachzudenken, wie privilegiert wir heute leben und wie wertvoll es ist, jederzeit auf unsere Nahrungsmittel zugreifen zu können.

Was uns auch zur aktuellen Lage auf dem Eiermarkt führt. Durch den Fipronil-Skandal und die somit gesteigerte Nachfrage nach Bio-Eiern stehen im Augenblick viele Kunden vor leeren Regalen – einfach leergekauft! Hierzu musst Du wissen:

Die Hühner legen weiterhin ungefähr ein Ei am Tag und lassen sich einfach nicht überreden, „zuzulegen“ :-). Deshalb können wir als Bio-Eier-Hof die gestiegene Nachfrage (teilweise dreimal so viel wie zu normalen Zeiten) nicht so einfach ausgleichen.

Aber nicht nur die Eier, sondern auch die, die sie legen, sind gerade Mangelware. Während der Geflügelgrippe im Frühjahr sind so viele Tiere notgeschlachtet worden, dass Junghennen gar nicht so schnell schlüpfen können, wie sie gebraucht würden.

Wir bitten daher Dich als Kunden, Verständnis zu haben, falls unsere Eier nicht im Regal zu finden sind. Die Hühner und wir geben unser Bestes!